Einkommensteuererklärungen werden zunehmend elektronisch via ELSTER an das Finanzamt übermittelt. Dabei sind grundsätzlich zwei unterschiedliche Übertragungsformen zu unterscheiden:

Zum einen besteht die Möglichkeit, dass der Versender der Daten ein elektronisches Zertifikat besitzt, dass die – bei Steuererklärungen in Papierform übliche – Unterschrift des Steuerpflichtigen ersetzt. Die Übertragungsform wird als authentifizierte Übermittlung bezeichnet. Ein Steuerberater wird regelmäßig nur dann die Steuererklärung für seinen Mandanten in authentifizierter Form an das Finanzamt elektronisch mit seinem Kanzleizertifikat versenden, wenn er im Innenverhältnis zuvor eine Unterschrift vom Mandanten auf einer Steuererklärung in Papierform für seine Akten erhalten hat.

Zum anderen kann die Einkommensteuererklärung auch unauthentifiziert via ELSTER an das Finanzamt elektronisch übermittelt werden. In diesem Fall ist es erforderlich, dass das Übertragungsprotokoll ausgedruckt, vom Mandanten unterschrieben und dann der Ausdruck an das Finanzamt per Post versandt wird. Erst wenn dem Finanzamt das unterschriebene Übertragungsprotokoll vorliegt, werden die zuvor elektronisch eingegangenen Daten vom Finanzamt verarbeitet.

Das Übertragungsprotokoll einer via ELSTER elektronisch übermittelten Einkommensteuererklärung – man spricht hier auch von einer sogenannten komprimierten Einkommensteuererklärung – enthält nur die tatsächlich übertragenen Daten. Sind z.B. keine Spenden für den Sonderausgabenabzug erklärt worden, erscheinen diese auch nicht als Leerfeld im Übertragungsprotokoll. Diese verkürzte Form erschwert es einem Laien zu kontrollieren, ob die Steuererklärung vollständig ist. Liegt einem Laien das klassische Papierformular einer Steuererklärung vor, würde es leichter auffallen, dass z.B. die Formularfelder für den Spendenabzug auf der Seite 2 des Einkommensteuer-Mantelbogens leer geblieben sind.

Mit Urteil vom 16. Mai 2013 III R 12/12 hat der Bundesfinanzhof (BFH) nun entschieden, dass der Steuerberater dafür haftet, wenn die Steuererklärung zum Nachteil des Mandanten unvollständig war und er – zwecks Prüfung der Steuererklärung – seinem Mandanten nur die komprimierte Einkommensteuererklärung (ELSTER-Übertragungsprotokoll) zur Verfügung gestellt hat. Dem Mandanten sollten zur Reduzierung der Haftungsgefahr neben den ELSTER-Übertragungsprotokoll immer auch ein Ausdruck der ausgefüllten klassischen Steuerformulare zur Prüfung überreicht werden.

Quelle:

http://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bfh&Art=en&Datum=Aktuell&nr=28349&pos=2&anz=126