Kurier-, Express- und Paketdienste – kurz KEP – ist ein Teil der Supply Chain. Was wird generell mit KEP- Diensten verschickt?

Die Kurier-, Express- und Paketdienste haben sich zu einem wichtigen Bestandteil unseres Wirtschaftssystems entwickelt. Ob Akten, Medikamente, Ersatzteile, Möbelstücke, Kleidung – nahezu alles wird von den „schnellen Diensten“ befördert. Um ihre Bedeutung in unserer Wirtschaft und unserem alltägliches Leben zu verdeutlichen, muss man sich nur einfach vorstellen, alle KEP- Dienste in Deutschland würden gleichzeitig streiken. Die Post könnte zwar einen kleinen Teil der Versendungen übernehmen – der Wirtschaft würde aber großer Schaden zugefügt werden. Apotheken hätten nicht die nötigen Medikamente im Bestand; Autowerkstätten fehlten dringend benötigte Ersatzteile aus dem Zentrallager. KEP- Anbieter sind als Bestandteil unserer Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Wie groß ist in etwa der KEP- Anteil am gesamten Logistikvolumen?

Darauf gibt es keine einfache Antwort, allerdings einige Kennzahlen zur Illustration: es werden pro Jahr in Deutschland ca. 3 Mrd. Paketsendungen verschickt mit einem Gesamtumsatz der KEP- Branche von etwa 17-18 Mrd. Euro. Das KEP- Volumen ist in den letzten 10 Jahren um ca. 70% gestiegen, der klassische Transport per Straße oder Schiene nur um ca. 10%.

Was sind die Kostentreiber und wo liegen die Potenziale verborgen?

Je schneller der Service, desto höher der Preis. Wer per Express verschickt, wird mit sehr viel höheren Kosten belastet.  Darüber hinaus werden unzählige Zuschläge z.B. für die Art der Verpackung, für Versicherungen, für Überschreitungen von Abmessungen und Gewichten erhoben, die wenigstens teilweise vermieden werden können.

Wichtig ist die Erstellung einer detaillierten Sendungsstruktur, um Transparenz zu schaffen. Zudem müssen alle qualitativen Anforderungen genau spezifiziert werden, damit die produktspezifischen Besonderheiten in Bezug auf den Transport vom Versender einkalkuliert werden können.
Mit diesem Wissen können die richtigen Dienstleister ausgewählt werden. Nur wer exzellent vorbereitet eine Offerte einholt, wird ein wettbewerbsfähiges und passgenaues Angebot erhalten.

Wieso können Unternehmen Sparpotenziale nicht selbstständig bergen?

Natürlich geht das. Allerdings benötigen sie schon eine genaue Branchenkenntnis und ein sehr detailliertes Bild des eigenen „Versandverhaltens“. Diese aufzubauen, lohnt für viele Unternehmen nicht. Die KEP- Dienstleister betreiben bewusst einen „Tarifdschungel“, der es für externe Betrachter fast unmöglich macht, die Paketpreise mit allen Zuschlägen, Bedingungen, Ausnahmen etc. zu vergleichen. Man muss über das entsprechende Know-how und die nötige Datenbasis verfügen, um passgenaue Lösungen entwickeln zu können. Nur um eine Zahl zu nennen: Sie können zum Beispiel bei einem der großen Anbieter ein Paket zu mehr als 31.000 verschiedenen Tarifen verschicken.

Wer ist im Unternehmen für den Einkauf von KEP- Dienstleistungen verantwortlich?

Das ist wie bei fast allen unsere Kostenkategorien sehr unterschiedlich: Vom Lagerarbeiter über den Einkaufsleiter bis hin zum Geschäftsführer – etwa bei einem Onlinehändler – ist alles dabei.

Weltweit gibt es einige große Anbieter – wie ist der KEP- Markt insgesamt strukturiert?

Es gibt eine Handvoll von großen Anbietern (UPS, DHL, DPD, FedEx, TNT, etc.) und tausende von kleineren Dienstleistern, die sich etabliert haben. Die Marktstruktur in den einzelnen Ländern ist allerdings recht unterschiedlich. Das jeweilige nationale Postunternehmen hat meistens einen großen Marktanteil und den Vorteil einer langjährig etablierten Verteilstruktur. Das Leistungsportfolio ist in den Grundzügen bei allen Anbietern natürlich ähnlich, aber jedes Unternehmen versucht sich durch bestimmte Services im Markt zu differenzieren.

Unternehmen achten immer mehr auf ihren ökologischen Fußabdruck: Wie stark beachten Unternehmen das Thema Green Logistics und wie wirkt sich dies auf die Preisgestaltung aus?

Inwieweit unsere Kunden auch Wert auf „Green Logistics“ legen, hängt nach unserer Erfahrung vom Selbstverständnis ihres Unternehmenszwecks ab bzw. der Verankerung des Umweltgedankens im Außenauftritt. Bei unseren Kundenterminen begegnet uns dieser Punkt immer wieder und natürlich berücksichtigen wir das in unseren Projekten. In der Praxis sieht das so aus, dass wir z.B. drei Optionen anbieten, von denen eine das „Kostenoptimum“ darstellt, eine Option ist die. sog. „Komfortlösung“ und eine Option – meist der Mittelweg aus beiden – berücksichtigt zusätzliche Wünsche des Kunden wie den Umweltaspekt. Welche Option der Kunde wählt, liegt so oder so bei ihm. Die großen Anbieter im KEP- Markt bieten inzwischen CO²-neutralen Versand gegen einen überschaubaren Aufpreis an.

Zum Schluss: Gibt es erkennbare Entwicklungen und Trends im KEP- Bereich?

Es gibt einen Trend zu immer aggressiveren Leistungsversprechen an die Paketempfänger in Bezug auf die Zustellgeschwindigkeit, die durch den Wettbewerbsdruck im KEP Markt entstanden sind. Wer heute bestellt, geht selbstverständlich davon aus, morgen seine Ware zu erhalten. Dieser Zeitdruck und das in den letzten Jahren permanent gestiegene Marktvolumen führen dazu, dass die Kapazitäten ständig ausgebaut und in immer leistungsfähigere Verteilstationen/ HUBs investiert werden muss, um die Sendungen möglichst schnell „auf die Straße“ oder „in die Luft“ zu bekommen.