Wenn man vom Energieverbrauch in Unternehmen spricht, denkt man meistens an rauchende Schornsteine der metallverarbeitenden Industrie. Wo fallen im Mittelstand überall Energiekosten an?

Im Mittelstand, wie auch in größeren Unternehmen wird Energie für den Produktionsprozess, die Lagerung, den Transport als auch für die Verwaltung benötigt. Man unterscheidet Primärenergie in Form von Kohle, Gas oder Erdöl und „veredelte“ Energie in Form von Strom, Kraftstoffen oder Wärme. Während viele Primärenergien im Produktionsprozess eingesetzt werden, sind es gerade die veredelten Formen, die bei Lagerung, Transport und in der Verwaltung anfallen. Wir sprechen dann  von Heizungen, Kraftstoff und Lampen usw.

Laut einer Studie von Expense Reduction Analysts und der EBS Business School haben die Energiekosten Top-Priorität in Unternehmen. Wo sind die meisten Sparpotenziale versteckt und wieso können Unternehmen diese nicht selbstständig bergen?

Sparpotenziale lassen sich hauptsächlich durch die richtige Auswahl des für das Unternehmen am besten geeignetsten Energieträgers, die Reduzierung von energetischen Verlusten und durch einen strukturierten Einkauf erzielen. Zudem gibt es für Unternehmen nach wie vor die Möglichkeit, steuerliche Vergünstigungen zu beantragen.

Um die Energiekosten nachhaltig senken zu können, ist ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der auch die Entwicklung der spezifischen Energiepreise sowie den Bedarf des Unternehmens berücksichtigt. Damit  Unternehmen die besten Preise und das beste Paket finden, brauchen sie vor allem spezielles  Energetik-Know-how sowie Erfahrung am Energiemarkt. Wenn Unternehmen ihre Energiekosten angehen, sollten sie sich Fragen stellen wie kaufe ich meinen Strom oder mein Gas zu teuer ein, kenne ich alle gesetzlichen Bestimmungen und Möglichkeiten für mein Unternehmen im Energiebereich, wie kann ich von gesetzlichen Neuerungen profitieren und wie kann ich das beste in Punkto Kosten und Grün erreichen – gibt es schon umgesetzte Konzepte, die man kopieren kann?

Wer ist im Unternehmen verantwortlich für den Energieeinkauf?

Dies variiert von Unternehmen zu Unternehmen. Je nach Unternehmensgröße und Energiebedarf liegt die Verantwortung beim Einkauf, dem kaufmännischen Geschäftsführer oder bei der Geschäftsleitung. Wer im Unternehmen für den Energieeinkauf zuständig ist, lässt sich allerdings nicht verallgemeinern. Sehr häufig hat dies historische Gründe.

Der Energieeinkauf ist auch immer verbunden mit rechtlichen und steuerrechtlichen Regelungen und  Gesetzen. Auf welche  Veränderungen müssen sich Unternehmen zukünftig einstellen?

Durch staatliche Belastungen will die Politik den Strompreis regulieren. Hauptstellschrauben sind die EEG-Umlage (Erneuerbare-Energien-Gesetz) sowie die KWK-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz), durch die die Strompreise entscheidend geprägt werden. In diesem Bereich gilt es für Unternehmen neue Gesetzesänderungen im Auge zu haben, damit die vom Gesetzgeber gebotenen  Sparmöglichkeiten genutzt werden können. Für 2012 ist es zum Beispiel für das stromintensive produzierende Gewerbe unerlässlich, ein Energiemanagementsystem auszurollen. Mit der Einführung  eines  Energiemanagementsystems sichern Unternehmen ihre Stromsteuerermäßigung ab und können die EEG-Ausgaben deutlich reduzieren. Nicht alle Unternehmen werden dabei gleich von den Abgaben getroffen. Für die unterschiedlichsten Branchen, Produktionsprozesse und Energieträger  gibt  es  Ausnahmeregelungen, mit denen Unternehmen die Kosten signifikant reduzierten können. Wenn Unternehmen die vom Gesetzgeber vorgebenden Regelungen beachten, müssen die Strompreise nicht in eine Richtung gehen.

Welche Trends gibt es im Bereich der Energiebeschaffung?

Um die Energiekosten nachhaltig senken zu können, setzen  Unternehmen auf unterschiedliche Trends. Einer ist zum Beispiel die Einführung eines Energiemanagementsystems, um darauf aufbauend zu analysieren, welche Produktionsprozesse energetisch optimiert werden können. Eine weitere Möglichkeit, die Energiekosten zu senken, ist die Bündelung von Einkaufsmengen – entweder von mehreren Standorten eines Unternehmens oder von mehreren Unternehmen.