Bei M&A-Transaktionen (Anteils- oder Unternehmenskauf) hat es sich eingebürgert, eine Legal Due Diligence durchzuführen. Diese soll den Käufer über mögliche Risiken der Transaktion aufklären. Übersehen die Anwälte Risiken, kann der Käufer versuchen, sie in die Haftung zu nehmen. Das LG Berlin hat mit Urteil vom 14.09.2012 (2 O 540/11) über eine solche Klage entschieden. Anwälte hatten im Rahmen der Due Diligence auch einen Mietvertrag von erheblicher Bedeutung für den Käufer zu prüfen. Mieter war eine Anwaltssozietät. Ein Gesellschafter der Sozietät hatte den Mietvertrag jedoch nicht unterzeichnet, was der Anwaltssozietät ein Sonderkündigungsrecht gab, das sie auch alsbald nach Erwerb ausübte. Dem Käufer entstand ein Schaden von ca. € 500.000,00, den er einklagte . Das Gericht entschied jedoch, dass die Anwälte allein aus der Kopie des Mietvertrages die fehlende Unterschrift nicht erkennen konnten. Der Käufer durfte jedoch nicht erwarten, dass im Due Diligence-Bericht ohne besonderen Anlass abstrakte Risikohinweise auf die Folgen fehlender einzelner Unterschriften enthalten seien. Anders wäre wohl zu entscheiden gewesen, wenn der Prüfungsauftrag genau auf die Wirksamkeit des fraglichen Mietvertrages gelautet hätte. Dann müsste der Anwalt solche Hinweise geben. Bei einer Legal-Due-Diligence-Prüfung würde aber laut Gericht in aller Regel kein konkreter Prüfauftrag erteilt, sondern der Rechtsanwalt sei vor die Aufgabe gestellt, einen hinsichtlich seiner rechtlichen Beziehungen zur Umwelt äußerst komplexen Transaktionsgegenstand allgemein zu prüfen. Der Rechtsanwalt sei in dieser Situation typischerweise mit einem kaum überschaubaren Kreis möglicher rechtlicher Probleme konfrontiert, deren abschließende Beurteilung auf Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Informationen nicht möglich sei. Wollte man den Anwalt zwingen, den Bericht mit abstrakten Hinweisen zu füllen, um ja alle denkbaren Risiken zu erfassen, würde dies die Bedeutung des Berichts für den Mandanten zunichte machen. Der Entscheidung beleuchtet die Schwierigkeiten für Anwälte und Mandanten bei einer Due Diligence. Berichtet der Anwalt seitenlang über nur denkbare, ganz abstrakte Risiken, liest sich der Report wie der Beipackzettel für ein Arzneimittel, der auch jedes nur denkbare Risiko auflistet. Allerdings wäre ein solcher Report nicht auf einem Faltblatt unterzubringen, sondern würde mehrere dicke Buchbände umfassen. Der Wert eines solchen Berichts wäre für den Mandanten nicht wirklich vorhanden, weil in der Flut der abstrakt denkbaren Risiken schlecht erkennbar wäre, was nun nach vernünftigen Maßstäben wirklich droht. Das hört sich vernünftig an. Verwirklicht sich dann jedoch ein vorher nicht benanntes Risiko, sieht der Auftraggeber des Anwalts jedoch die Sache mit ganz anderen Augen. Es ist und bleibt somit eine Gratwanderung für alle Beteiligten.