Im Rahmen des Steuervereinfachungsgesetzes 2011 vom 01. November 2011 hat uns das Bundesministerium der Finanzen einen großen Gefallen erwiesen und die bislang im § 9c EStG geregelten Abzugsmöglichkeiten von erwerbsbedingten und nicht erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten mit Wirkung ab der kommenden Veranlagung 2012  in den § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG ( Sonderausgaben ) übernommen.

Wo vorher geprüft werden musste, ob und bei wem die Aufwendungen „wie“ Werbungskosten“, „wie“ Betriebsausgaben, als Sonderausgaben oder gar nicht abgezogen werden dürfen sowie wer nun wie lange und wann einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, sind nun die Kinderbetreuungskosten im Rahmen der Höchstbeträge einfach als Sonderausgaben abziehbar. Dies unabhängig von der Erwerbstätigkeit oder der Ausbildung der Eltern und, unter Berücksichtigung der nachfolgenden Sätze, dem Alter des Kindes. Die Betreuungskosten können für Kinder im Sinne des § 32 Abs. 1 EStG ab 2012 nun ab Geburt des Kindes bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres steuerlich als Sonderausgaben einkommensmindernd angesetzt werden. Natürlich auch für Kinder, die wegen einer vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetretenen körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung außerstande sind, sich selber zu unterhalten.

Aufgrund der Übergangsregelungen des Alters, bis zu dem Kinder steuerlich berücksichtigt werden können ( vom 27. auf das 25. Lebensjahr verringert ) können zum Teil auch ältere Kinder noch berücksichtigt werden. Es bliebt auch wie bisher beim Höchstbetrag von zwei Dritteln der Aufwendungen, höchsten EUR 4.000,00 pro Kind und Kalenderjahr. Weitere Einzelheiten regelt das Schreiben des Bundesministerium der Finanzen vom 14.03.2012 ( IV C 4 – S 2221/07/0012:012 ), in dem auch die absetzbaren Aufwendungen, die Haushaltszugehörigkeit und der berechtigte Personenkreis näher definiert sind. So können weiterhin Aufwendungen für Unterricht (z.B. Nachhilfe), die Vermittlung besonderer Fähigkeiten (z.B. Musikunterricht) oder für Sportaktivitäten (z.B. Sportverein) nicht berücksichtigt werden.

Wie bei den haushaltsnahen Dienstleistungen müssen die Rechnungen und Zahlungsnachweise der Kinderbetreuung nur auf Verlangen des Finanzamtes vorgelegt werden. Zudem werden Barzahlungen und Barschecks in keinem Fall anerkannt, die Zahlung sollte in der Regel per Überweisung oder Abbuchung erfolgen. Der Beitragsbescheid des öffentlichen oder privaten Trägers ( z.B. KiTa ) steht einer Rechnung gleich. Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hat mit Schreiben vom 09.08.2012 ( S 2221b – 1 – St 236 ) noch auf einige Besonderheiten hingewiesen. So kann z.B. bei nicht verheirateten, dauern getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten der Elternteil die Kinderbetreuungskosten abziehen, der die Aufwendungen auch getragen hat und zu dessen Haushalt das Kind gehört.