Einer der folgenschwersten Fehler im Zusammenhang mit der Nachfolgeregelung bzw. Betriebsübergabe ist die Auffassung:„Solange ich geistig und körperlich noch fit bin,  brauche ich mich nicht um einen Nachfolger kümmern. Irgendein qualifizierter Nachfolger wird sich schon finden“.

Um die möglichen Schäden fürs Unternehmen  zu minimieren sollte man jedoch die Unternehmensnachfolge rechtzeitig planen und bei wichtigen strategischen Entscheidungen immer die Folgen in Bezug auf die Unternehmensnachfolge im Auge behalten.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass sich Betriebsinhaber oder -inhaberin ab etwa dem 55. Lebensjahr Gedanken über dieses Thema machen sollten. Das ist nicht nur aus persönlichen, sondern auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen wichtig. So kann beispielsweise bei Kreditvergaben eine schon existierende Nachfolgeplanung von Vorteil sein, weil die finanzierende Bank diese bei der Einstufung im Ratingprozess positiv berücksichtigen wird.

Nach einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung  (IfM) sind in Deutschland jährlich ca. 70.000 Familienunternehmen  „übergabereif“. Der Grund dafür ist in zweidrittel aller Fälle das Alter des Firmeninhabers.

Eine perfekte „Staffelübergabe“ gelingt aber nicht immer. Fast jedes 10. Unternehmen muss geschlossen werden, da sich kein geeigneter Nachfolger findet. Die Schließung hat auch negative Folgen für Tausende von Arbeitsplätzen.
Sehr viele Inhaber/-innen sind in diesem Bereich zu blauäugig  und beschäftigen sich mit der Nachfolgeproblematik zu spät.

Für eine reibungslose Betriebsübergabe benötigt man mindestens 3 bis 5 Jahre Vorlaufzeit, um alle Aspekte ausführlich abzuwägen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Der Übergabeprozess besteht aus unterschiedlichen Phasen und Aktivitäten, der folgende Teilbereiche beinhaltet:

Menschlich / persönlich:
Nach IHK-Erfahrungen hat mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Unternehmer Schwierigkeiten den passenden Nachfolger zu finden.
Mit dem richtigen Nachfolger steht und fällt jedoch der Erfolg eines Unternehmens nach dem Generationswechsel.
Der Nachfolger sollte vom Übergeber systematisch ausgebildet und aufgebaut werden.

Rechtlich:
Die Altersversorgung des Firmeninhabers ist zu analysieren/optimieren.
Die erbrechtliche Situation ist zu  prüfen und ein Testament ist zu hinterlegen.
Alle nötigen Verträge müssen vorbereitet werden.

Betriebswirtschaftlich:
Die Ertragskraft und den Vermögenswert des Unternehmens sollte optimiert werden (Die Braut schmücken).
Nach verschiedenen Methoden ist der Kaufpreis des Unternehmens zu kalkulieren.
Alternative Finanzierungsarten sind zu berechnen und evtl. Förderungsmöglichkeiten sind zu nutzen.
Der Unternehmensnachfolger hat einen Geschäftsplan zu erstellen.

Steuerlich:
Durch die Veräußerung werden die gegebenenfalls im Unternehmen vorhandenen stillen Reserven in einem Zeitpunkt aufgedeckt und realisiert. Freibeträge, ermäßigte Steuersätze und sonstige Vergünstigungen sind zu prüfen.