Handwerker im Bauhaupt- und Baunebengewerbe müssen bei einer Haftpflichtversicherung für den Betrieb insbesondere darauf achten, dass die Bearbeitungsschäden (bzw. auch Tätigkeitsschäden genannt) ausreichend mitversichert sind. Das ist deshalb so wichtig, weil diese Schadenart die häufigste ist. In den meisten Fällen weiß der Handwerker davon aber nichts!

Bearbeitungsschäden (oder eben auch Tätigkeitsschäden) sind also Sachschäden einer ganz bestimmten Art, deren Absicherung besonders beantragt werden muss und dann häufig auch nur mit begrenzter Deckungssumme versichert wird und oft auch nur mit einem generellen oder prozentualen Selbstbehalt möglich ist. Leider steht das alles i.d.R. nur versteckt in den Bedingungen und ist deshalb vielen Handwerkern-bzw. Handwerkerinnen nicht bekannt.

Da der Deckungsschutz einer Betriebs-Haftpflichtversicherung für das Bau- und Ausbaugewerbe ohne diesen Einschluss nicht vollständig wäre, empfiehlt Horst-U. Richter, Geschäftsführer der VersicherungsMakler Richter GmbH und Mitglied der Düsseldorfer Runde e.V. dringend, diesen Versicherungsschutz mitzuversichern, wobei die Höhe der Deckungssumme von Art und Umfang der gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit und damit vom Umfang des damit verbundenen Risikos abhängig sein sollte.
Einige Schadenbeispiele sollen zum besseren Verständnis beitragen:

  • Ein Bauunternehmer hatte einen Rohbau zu verputzen, in den bereits Fenster und Türen mit eloxierten Metallrahmen eingesetzt waren. Trotz Sicherung der Metallteile und der Thermopanescheiben durch Folien und Klebebänder traten an den Metallteilen Verätzungen und an den Scheiben Kratzer durch Putzspritzer ein, da die sichernden Materialien an einigen Stellen von der Putzkolonne des Bauunternehmers versehentlich beschädigt wurden.
  • Ein Zimmerer setzte in einem Altbau neue Fenster ein. Dabei zerbrach er vorhandene Marmorfensterbänke dadurch, dass er darauf trat und sie sozusagen als Arbeitsplattform benutzte.
  • Ein Installateur hatte einen Heizkessel zu reparieren und ließ zu diesem Zweck das Wasser aus der Anlage ab. Nach Beendigung seiner Arbeiten vergaß er das Wiedereinfüllen des Wassers. Der Kessel brannte nach Inbetriebnahme durch.
  • Ein Installateur verlegte in einem Hotel einen Wasseranschluss; dabei er vergaß das „Abdrücken“. Bei Wiederöffnung des Hauptwasserhahnes lief Wasser in das Zimmer und beschädigte das Hotelzimmer und das Gepäck von Hotelgästen. Es hätte aber auch noch viel schlimmer kommen können…
  • Ein Fliesenleger beschädigte beim Stemmen alter Fliesen die Fußbodenheizung.

Erfüllungsnebenschäden sind jedoch nicht versichert und nicht versicherbar. Ein Beispiel weiteres macht das deutlich:

Unterschied Bearbeitungsschaden und Erfüllungsnebenschaden

Ein Malermeister hatte den Auftrag, eine Wand zu streichen, dabei fällt der Farbeimer von der Leiter und beschädigt dadurch den Fußbodenbelag. Ausserdem wird die Wand erheblich mit Farbe verschmiert. Der Schaden am Fußboden ist ein Bearbeitungsschaden, der Schaden an der Wand ein Erfüllungsnebenschaden.
Übrigens gibt es auch die Möglichkeit einer Absicherung von Bearbeitungsschäden für Händler und evtl. weiterer Berufe.