Ein Fall aus der Praxis: Ein Handwerksmeister hatte sich eine TBC Infektion zugezogen, wahrscheinlich bei einem Umtrunk in einer Gaststätte. Daraufhin kam er in die Quarantäne nach Düsseldorf Kaiserswerth. Weil der Handwerker kurz zuvor sein Krankengeld bei der AOK gekündigt hatte – ihm schien der Beitrag zu teuer zu sein – hatte er nun monatelang keine Einnahmen. Das hatte auch zur Folge, dass alle wichtigen Versicherungspolicen gekündigt wurden von den Versicherern. Das Tragische: darunter war auch die Berufsunfähigkeitsversicherung. Einige Zeit später wurde eine Berufsunfähigkeit festgestellt, doch die einzigste Einnahme war nun nur noch die kleine Rente der gesetzlichen Rentenversicherung. Weitere Folgen der Krankheit waren der Konkurs der Einzelpersonenfirma, die Versteigerung des Hauses usw.

Frage:

Hätte der Konkurs vermieden werden können, wenn der Handwerker ein Krankengeld versichert gehabt hätte? Das war auch die Frage, die der Verfasser dieser Zeilen in einem Fachvortrag den interessierten Zuhörern der Düsseldorfer Runde e.V., einem Expertenkreis unterschiedlicher Berufe, stellte.

Antwort:

Wahrscheinlich wäre der Konkurs auch nicht vermieden worden, wenn Krankengeld versichert gewesen wäre!

Wie das, könnten Sie sich fragen?

Warum habe ich denn Krankentagegeld versichert?

Nach allgemeiner und unumstrittener Rechtsprechung darf das versicherte Krankengeld bei den gesetzlichen Krankenkassen nur das verfügbare Nettoeinkommen absichern. Bei der PKV können evtl. Beiträge zur Kranken- und gesetzlichen Rentenversicherung addiert werden. Doch kann der Inhaber eines kleineren Betriebes, einer Praxis, einer Kanzlei vom versicherten Nettoeinkommen seine sonstigen privaten und betrieblichen Kosten bezahlen?
Bestimmt nicht! Weil die Kosten zu hoch sind. Dazu zählen z.B.:

  1. Lebensunterhalt, z.B. Nahrung, Genußmittel
  2. Mieten, Zinsen und Tilgung, Leasingraten (privat und beruflich)
  3. Versicherungsbeiträge (privat und beruflich)
  4. sonstige Betriebsausgaben, z.B. Löhne und Gehälter
  5. sonstige regelmäßige Verpflichtungen

Das alles kann nicht vom Nettoeinkommen getragen werden. Wenn also kein erhebliches Kapital als Reserve zur Verfügung steht, dann stellt sich doch zwangsläufig die Frage: Was nun? Die Lösung ist die in Deutschland weitgehend unbekannte Einkommensabsicherung, eine völlig neue Form des Krankentagegeldes. Bei der Einkommensicherung, also der Betriebsunterbrechung wg. Unfall, Krankheit, Quarantäne des Inhabers bzw. Geschäftsführers (und auch Sachschaden des Betriebes), kann sich der Versicherungswillige bis zum Rohgewinn versichern. Der Rohgewinn wird ermittelt aus dem Umsatz des Betriebes bzw. der Kanzlei / der Praxis nach Abzug des Wareneinsatzes. Freiberufler, z.B. Ärzte, haben keinerlei Wareneinsatz. Somit ist der Umsatz gleich Rohgewinn.

Dabei ist eine Kombination aus Krankengeld und Einkommenssicherung sehr empfehlenswert. Für das Nettoeinkommen das Krankentagegeld, für die Betriebskosten die Einkommenssicherung. Die Ausgaben zur Betriebsunterbrechung wegen Krankheit, Unfall oder Sachschaden werden im Allgemeinen als Betriebsausgabe anerkannt. Anders als beim Krankengeld muss die Versicherungsleistung natürlich auch wieder als Betriebseinnahme verbucht werden. Viele bearbeitete Schäden haben gezeigt, dass außer eines ärztlichen Attestes nichts weiter benötigt wird, um zu einer Auszahlung der versicherten Leistung zu kommen.

Fazit:

  • Die Einkommenssicherung ist die wichtigste Absicherung für kleinere Betriebe aus Handwerk, Handel und Gewerbe, aber auch für Freiberufler
  • Die Einkommenssicherung  sollte als Ergänzung zum Krankengeld genommen werden